© Deutsche Bundesstiftung Umwelt 12.03.26 INTERVIEW „Innovation und Nachhaltigkeit gehören zusammen“ – Alexander Bonde Interview mit Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Für den Sustainable Economy Summit 2026 haben wir mit Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), darüber gesprochen, wo derzeit die spannendsten Durchbrüche im GreenTech-Bereich entstehen, warum Start-ups und Mittelstand wichtige Treiber nachhaltiger Innovationen sind und welche Rolle Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und neue Technologien für eine zukunftsfähige Wirtschaft spielen. Herr Bonde, seit über 30 Jahren fördert die DBU Umweltinnovationen. Wo sehen Sie derzeit die spannendsten Durchbrüche im GreenTech-Bereich? Vor allem auf den Feldern Energieeffizienz und Schonung von Rohstoffen haben grüne Technologien oft entscheidenden Anteil an derartigen Weiterentwicklungen. Sie sichern auf diese Weise zugleich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Wirtschaft. Mit Blick auf künftige Herausforderungen kommt es insbesondere auch auf die Fähigkeiten und den Mut der GreenTech-Branche an, Neues zu wagen: Dazu zählt etwa die Energiesystemintegration – verbunden mit der Frage, wie smart wir in Zukunft neben der Produktion von Energie deren Verteilung über welche Netze erreichen. Nicht zu vergessen: Wie es in absehbarer Zeit noch stärker als bisher gelingt, umweltschonend produzierte und geschickt über Netze verteilte Energie so zu speichern, dass man sie bei Bedarf umgehend nutzen kann. Ein gutes Beispiel aus der Praxis ist das seitens der DBU anfangs geförderte Deep-Tech-Unternehmen Etalytics: Das Startup hat mit Weiterentwicklung einer eigenen KI-Plattform in Echtzeit den Energieverbrauch etwa in Rechenzentren, Chemieanlagen und der Automobilproduktion optimiert und auf diese Weise Emissionen reduziert. Wie wir Rohstoffe im Land erhalten und behalten, sind ebenfalls zentrale Schlüsselfragen der GreenTech-Branche. Damit eng zusammen hängen eine umfassende Kreislaufwirtschaft, die Sicherung von Lieferketten und von Widerstandskraft der Wirtschaft. Und Best Practice-Beispiele aus der DBU-Förderung gibt es auch hier: Das Startup Optocycle treibt Recycling auf KI-Basis voran, aus Bauschutt wird neuer Rohstoff. Viele nachhaltige Innovationen entstehen nicht in Konzernlaboren, sondern in Start-ups und mittelständischen Unternehmen. Warum kommt so viel Zukunft ausgerechnet von dort? In der Tat, das zeigen auch die oben genannten DBU-geförderten Startups. Es ist wie bei Tanker und Beiboot: Im Vergleich zu Großkonzernen sind Neugründungen ebenso wie mittelständische Unternehmen oft agiler und können schneller auf Veränderungen reagieren. Ideen werden zügig getestet und umgesetzt – ohne dass interne Bürokratie oder langwierige Entscheidungsprozesse zu Hemmschuhen werden. Die intrinsische Motivation der Gründerinnen und Gründer, deren leidenschaftlicher Drang zur Veränderung, spielen auch eine große Rolle. Dazu gesellt sich der Mut zu einer gesunden Risikobereitschaft: Erst das ermöglicht Investitionen in Technologien und Geschäftsmodellen, die zwar anfangs noch nicht ausgereift sein können – aber schließlich doch zum Markenzeichen eines hidden champion werden. Sie fördern mit der DBU zahlreiche Green Start-ups. Wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial? In der Tat fördert die DBU seit mehr als 30 Jahren Startups, seit 2019 sogar mit einem speziellen Förderprogramm. Denn diese Neugründungen sind wichtige Motoren für eine zunehmend nachhaltige Wirtschaft mit dem Ziel Klimaneutralität, also nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase auszustoßen als wieder gebunden werden können. Künstliche Intelligenz wird zu den Bereichen gehören, die für Startups großes Potenzial bieten. Womöglich kann man KI-Entwicklungen künftig für die kluge Integration überschüssiger Energie einsetzen. Auch die flexible Verteilung und Speicherung produzierter Energie sind spannende Zukunftsaufgaben. Sie setzen sich stark für naturbasierte Lösungen ein, etwa beim Schutz und der Wiederherstellung von Mooren oder Wäldern. Wird Natur gerade zum unterschätzten Wirtschaftsfaktor? Dieser Faktor gehört von Anbeginn zur DNA der Deutschen Bundesstiftung Umwelt – durch die DBU-Tochter Naturerbe GmbH, aber etwa auch durch die von der DBU geförderten Startups im Naturschutz. Der Schutz von Klima und Biodiversität hängen eng zusammen, sind zwei Seiten einer Medaille. Eine von der DBU in Auftrag gegebene Handlungsfeldanalyse stellt fest, wie wichtig Biodiversität und Ökosystemleistungen für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg sein werden. Laut Weltwirtschaftsforum ist mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts von der Natur abhängig. Die Europäische Zentralbank beziffert den Wert der Ökosystemleistungen in der EU auf ungefähr 234 Milliarden Euro. Das heißt im Umkehrschluss: Verlust an Biodiversität betrifft nicht etwa allein Artenvielfalt und ökologische Stabilität, sondern massiv auch wirtschaftlichen Wohlstand. Kurzum: Der Schutz von Biodiversität muss fester Bestandteil von Geschäftsmodellen werden. Sie ist Existenzgrundlage menschlichen Lebens – und Rückgrat für Betriebe. Eine florierende Wirtschaft benötigt sprichwörtlich blühende Biodiversität. Kreislaufwirtschaft gilt als eines der großen Zukunftsmodelle. Sind deutsche Unternehmen dafür schon bereit – oder stehen wir noch am Anfang? Ich bin da sehr optimistisch. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen überraschen mit ihren Projektskizzen immer wieder durch innovative Ideen für eine Circular Economy – und zwar im Sinne einer umfassenden Kreislaufwirtschaft. Da geht es nicht allein um Recycling, sondern fängt bereits beim Produktdesign an und reicht über Müllvermeidung bis hin zum Wiederverwenden, Wiederverwerten, Teilen und Reparieren. Das lineare Geschäftsmuster muss zum Auslaufmodell werden. Im Englischen ist auch von „take-make-waste“ die Rede – also Abbau, Nutzung und Abfall von Rohstoffen. Aber der Mensch kann mit dieser Wegwerfmentalität nicht weitermachen. Wir haben nur eine Erde und müssen Rohstoffe besser schützen. Der Gesundheitssektor ist als einer von vielen Bereichen geradezu prädestiniert für eine umfassende Kreislaufwirtschaft. Deshalb hat die DBU vor einigen Jahren die Förderinitiative „CirculAid“ ins Leben gerufen. Der Bausektor ist ein weiterer solcher Bereich. Die Kreislaufwirtschaft nahm ihren Anfang in den 1980er-Jahren, vor allem durch neue Technologien in der Abfallbehandlung und der Luftreinigung. Deutschland ist hier teils immer noch Marktführer und in Bereichen wie Sensorik, Müllsortierung und -aufbereitung im Ranking weit vorn. Diese Spitzenposition lässt sich nur halten durch auch künftige Innovationen. Viele nachhaltige Innovationen scheitern nicht an der Idee, sondern an der Skalierung. Was müsste passieren, damit gute Lösungen schneller groß werden? Tatsächlich liegt die Herausforderung gerade für Startups darin, Lösungen vom kleinen Pilotprojekt zur Marktreife zu bringen. Aber die von uns mittlerweile fast 100 geförderten Startups in unserem Förderprogramm beweisen, dass das machbar ist. Dass man scheitern kann, bedeutet ja nicht, es überhaupt nicht zu versuchen. Im Gegenteil: Wir brauchen in Deutschland noch mehr Startup-Mentalität, noch mehr Startup-Kultur: wieder aufstehen, Staub abwischen, Krönchen richten, weitermachen. Welche Impulse wünschen Sie sich vom Sustainable Economy Summit? Der Summit ist eine großartige Gelegenheit, einem breiten Publikum nachhaltige Lösungen zu präsentieren, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Ich begreife den Sustainable Economy Summit auch als Ort, der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenbringt. Insofern fühlt sich die DBU als Brückenbauerin in diesem Ambiente sehr gut aufgehoben, um gemeinsam mit anderen Akteurinnen und Akteuren die Weichen für eine nachhaltige und damit zukunftsfähige Wirtschaft zu stellen. Bestenfalls ist der Summit nicht nur Inspiration, sondern Wegbereiter für praktische Lösungen für schnelle Umsetzung innovativer Vorhaben. Zur Session mit Alexander Bonde Die DBU ist Förderpartner des Sustainable Economy Summit 2026. 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